Ratgeber


Was Männerknochen stabil hält

Was Männerknochen stabil hält

Osteoporose vorbeugen
Osteoporose ist kein reines Frauenproblem. Auch Männerknochen werden mürbe – und das meist mit drastischeren Folgen als bei Frauen. Lesen Sie hier, wann auch Männer an eine Osteoporose denken sollten und wie das Vorbeugen gelingt.
  • Später Bruch mit schweren Folgen

    Eigentlich sind Männer in Sachen Knochenstabilität klar im Vorteil: Denn bei Ihnen ist die sogenannte „Knochenmasse“ in aller Regel prinzipiell höher als bei Frauen. Hinzu kommt, dass Männer keine Menopause durchmachen – also die Phase, in der Frauen hormonell bedingt am schnellsten und am meisten Knochenmasse verlieren. Doch auch bei Männern gilt: Nach dem dritten Lebensjahrzehnt nimmt die Knochenmasse kontinuierlich ab. Und zwar so stark, dasswahrscheinlich jeder zehnte Mann über 65 von Osteoporose betroffen ist.

    Bei Männern reduziert sich die Knochenmasse allerdings eher schleichend. Deshalb kommt es bei im Vergleich zu Frauen meist erst viel später zu osteoporotischen Knochenbrüchen. Weil die betroffenen Männer dann aber schon sehr alt sind, stecken sie den Bruch deutlich schlechter weg als die vergleichsweise früher betroffenen Frauen. So zeigen Studien, dass über ein Drittel der Männer mit Hüftfraktur im ersten Jahr nach dem Trauma verstirbt. Und diejenigen, die überleben, kommen oft nicht mehr richtig auf die Beine.

    Warum Männerknochen brechen

    Und noch einen weiteren Unterschied zur „weiblichen“ Osteoporose gibt es. Frauen leiden in den meisten Fällen unter einer primären Osteoporose. Dazu zählt die Osteoporose auf Grund des altersbedingten Knochenabbaus und die postmenopausale Osteoporose. Die primäre Osteoporose wird begünstigt durch falsche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel.

    Bei Männern hingegen ist die Osteoporose meist – in zwei Drittel der Fälle -sekundär, d.h., der Auslöser sind andere Erkrankungen wie z. B.

    • Hormonstörungen wie Hypogonadismus, Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperparathareoidismus
    • rheumatische Erkrankungen
    • Diabetes, chronische Nierenerkrankungen, Herzinsuffizienz
    • entzündliche Darmerkrankungen
    • alkoholische Lebererkankung, Alkoholismus.

    Auch die Einnahme von Medikamenten kann zu einer sekundären Osteoporose führen. Besonders häufig ist dies bei Glukokortikoiden der Fall. Hier kommt es manchmal schon nach drei Monaten Glukokortikoidtherapie zu einer verringerten Knochendichte. Ebenfalls begünstigt wird die Osteoporose durch Arzneimittel gegen männliche Geschlechtshormone, die beim Prostatakrebs verschrieben werden. Weitere knochengefährdende Arzneimittel sind Protonenpumpeninhibitoren zur Behandlung von Magengeschwüren, bestimmte Antidepressiva (SSRI), Insulinsensitizer zur Behandlung des Diabetes mellitus oder Antiepileptika und Immunsuppressiva.

    Tipp: Mit Hilfe eines Online-Tests kann man das eigene Osteoporose-Risiko abschätzen. Wer dabei mehr als fünf Fragen mit „Ja“ beantwortet, sollte das Thema Osteoporose bei der behandelnden Ärzt*in ansprechen.

    Obacht bei Rückenschmerzen im Alter!

    Leider ist es für Männer oft gar nicht so leicht, eine Osteoporose zu erkennen. Erst spät stellen sich Rückenschmerzen ein, z. B., wenn es durch den Knochenschwund zu Wirbelkörperbrüchen gekommen ist. Häufig wird eine Osteoporose auch dann entdeckt, wenn sich der Betroffene bei einem leichten Sturz Arm, Bein oder Hüfte bricht.

    b aufgrund von Rückenschmerzen oder zur Abklärung eines verdächtigen Knochenbruchs: Diagnostiziert wird die Osteoporose mit bildgebenden Verfahren. Die Knochendichtemessung (Dual X-ray-Absorptiometry, kurz DEXA) gibt Auskunft über die Qualität des Knochens. Gemessen wird an der Lendenwirbelsäule, am Oberschenkelhals und am Oberschenkelknochen. Das Ergebnis ist der T-Wert, der die sogenannte Knochenmineraldichte widerspiegelt. Ausschlaggebend für die Diagnose ist der niedrigste der drei ermittelten Werte. Ein T-Wert ≤2,5 gilt nach Vorgaben der WHO als Osteoporose. Bei Werten zwischen -1 und -2,5 handelt es sich um eine Osteopenie, die Vorstufe der Osteoporose.

    Neben der Knochendichtemessung helfen beim Verdacht auf Osteoporose auch konventionelle Röntgenaufnahmen. Sie zeigen auf, ob es schon zu osteoporotischen Veränderungen oder unbemerkten Brüchen an den Wirbelkörpern gekommen ist. Im Zweifel wird auch eine Kernspinuntersuchung herangezogen, da diese Veränderungen im Knochen noch deutlicher darstellt.

    Blutuntersuchungen gehören beim Abklären einer Osteoporose ebenfalls dazu. Sie geben nicht nur Aufschluss darüber, wie es mit dem Kalzium- und dem Vitamin-D-Haushalt aussieht. Die Bestimmung von Hormonen, Nieren- und Leberwerten lässt zwischen einer primären und einer sekundären Osteoporose unterscheiden und die Ursache für eine zugrundeliegende Erkrankung erkennen.

    Kalzium, Vitamin D und Osteoporosemedikamente

    Basis für die Knochengesundheit ist seine ausreichende Versorgung mit Kalzium (siehe unten). Ob neben der Ernährung eine zusätzliche Kalziumgabe in Form von Tabletten erforderlich ist, entscheidet die Ärzt*in. Das gleiche gilt für Vitamin D. Je nachdem wie hoch die Vitamin-D-Werte im Blut sind sind, rät die Ärzt*in zur Einnahme von Vitamin-D-Tabletten. Empfohlen wird dabei meist eine Tagesdosis von 800 bis 2000 IE (Internationale Einheiten).

    Spezielle Osteoporosemedikamente verbessern die Knochendichte und beugen damit Knochenbrüchen vor. Es gibt zwei Wirkansätze: Antiresorptive Substanzen wie Bisphosphonate oder Denosumab hemmen den Knochenabbau. Osteoanabole Wirkstoffe wie das Parathormon-Analogon Teriparatid fördern den Knochenaufbau Ihr Einsatz hängt von der gemessenen Knochendichte und dem Alter ab. Je älter der Patient ist, desto früher sollte damit begonnen werden. Nach den Leitlinien sollen Männer unter 50 Jahren bei einem T-Wert ≤ -4,0 spezifische Osteoporosemedikamente erhalten, 75-jährige Männern dagegen schon bei einem T-Wert ≤ -2,0.

    • Bisphosphonate wie Alendronat hemmen die Aktivität der knochenabbauenden Zellen und beugen nachgewiesenermaßen Knochenbrüchen vor. Ist noch kein osteoporotischer Knochenbruch aufgetreten, empfehlen Expert*innen die Einnahme für drei Jahre. Nach dem Absetzen geht man davon aus, dass der Knochen eine geraume Zeit stabil bleibt. Um dies zu überwachen sind regelmäßige Knochendichtemessungen erforderlich. Bisphoshonate können zu Magen-Darm-Unverträglichkeiten bis hin zu Magen- und Speiseröhrengeschwüren führen. Damit es dazu nicht kommt gelten folgende Einnahmeregeln:
      • Tabletten immer morgens auf nüchternem Magen und in aufrechter Position einnehmen.
      • Dazu ein großes Glas Leitungswasser trinken.
      • Das Frühstück frühestens eine halbe Stunde später einnehmen (bei anderen Bisphosphonaten wie Etidronat muss man sogar zwei Stunden nüchtern bleiben).
      • Frühestens 30 Minuten nach Einnahme des Wirkstoffs wieder hinlegen.
      • Um die Aufnahme der Wirkstoffe zu gewährleisten sind andere Medikamente nur mit größerem zeitlichen Abstand einzunehmen. Entscheidend dafür sind die Hinweise im Beipackzettel des jeweiligen Bisphosphonats.

    • Denosumab. Ein weiterer Hemmstoff des Knochenabbaus ist der Antikörper Denosumab. Er ist speziell zugelassen für Männer mit Prostatakrebs, die sich einer Hormonablationstherapie unterziehen (also künstlich den Testosteronspiegel gesenkt bekommen) und dadurch ein erhöhtes Osteoporose- und Knochenbruchrisiko haben. Er wird alle sechs Monate unter die Haut gespritzt.
    • Teriparatid. Für Männer mit besonders ausgeprägter Osteoporose und hohem Knochenbruchrisiko steht auch noch ein knochenaufbauender Wirkstoff zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein Analogon des körpereigenen Parathormons mit Namen Teriparatid. Es darf 24 Monate lang verabreicht werden, danach wird eine Therapie mit knochenabbauhemmenden Substanzen angeschlossen.

    Insgesamt haben spezifische Osteoporosemedikamente eine ganze Reihe von Nebenwirkungen, weshalb sie meist nur für einen gewissen Zeitraum eingesetzt werden.

    Hinweis: Bei der sekundären Osteoporose ist die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung essenziell, damit sich der Knochen erholen kann. Ist die Ursache des Knochenabbaus ein Medikament, muss die Ärzt*in prüfen, ob man dieses vielleicht absetzen oder austauschen kann.

    Gezielt turnen und ins Korsett

    Zum Behandlungskonzept bei Osteoporose gehören auch physiotherapeutische Maßnahmen. Denn nur durch gezielte Übungen lässt sich die Beweglichkeit erhalten oder wiederherzustellen. Durch die Belastung bessern sich auch der Knochenstoffwechsel und der Aufbau von Knochensubstanz. Ein spezielles Gang- und Standtraining soll zudem Stürzen vorbeugen.

    Vor allem nach osteoporosebedingten Wirbelkörperbrüchen bekommt die Patient*in häufig ein modernes Stützkorsett verschrieben. Je nach Variante richten sie den Körper auf, geben Halt und fördern die aktive Korrektur der Wirbelsäule. Dadurch werden nicht nur die Schmerzen gelindert. Das Korsett ermöglicht auch, die Mobilität zu erhalten und Stürze zu verhindern.

    Hinweis: Männer sind im Alter häufig weniger autark als Frauen. Für sie sind daher Rehabilitationsmaßnahmen besonders wichtig, um ein ausreichendes Maß an Selbstständigkeit zu gewinnen oder bewahren.

    Gesunder Lebensstil beugt vor

    Vor einer Osteoporose ist niemand gefeit, denn älter wird jeder und weitere Risikofaktoren dafür gibt es viele. Mit einem gesunden Lebensstil kann man aber zumindest der primären Osteoporose vorbeugen:

    • Körperlich aktiv bleiben. Bewegung hält nicht nur den Knochen stark, sondern auch die ihn stützenden und führenden Muskeln, Sehnen und Bänder. Am besten ist es, täglich zu trainieren. Schon dreißig Minuten flottes Spazierengehen, Joggen oder Walken bringen den Stoffwechsel auf Trab und fördern damit auch die Versorgung des Knochens mit den nötigen aufbauenden Substanzen. Wer zusätzlich Muskelkraft und Koordination trainiert, beugt zudem Stürzen und damit Knochenbrüchen vor. Viele Fitnessstudios bieten spezielle Programme gegen Osteoporose an. Es lohnt sich, bei der Krankenkasse nachzufragen, ob diese die Kosten oder zumindest einen Teil davon übernimmt.
    • Knochenfreundlich ernähren. Eine gesunde Ernährung ist das A und O für den Knochenaufbau. Empfohlen wird die Aufnahme von 1000 bis 1500 mg Kalzium pro Tag. Gut geeignet sind Milch, Käse und Joghurt, aber auch Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse. Eine Scheibe Emmentaler (30 g) enthält beispielsweise etwa 330 mg Kalzium, ein Glas Milch oder Kefir 240 mg. Spitzenreiter bei den Gemüsen sind gegarter Blattspinat (310 mg Kalzium pro 210-g-Portion) und gegarter Grünkohl (280 mg/160 g). Andere wichtige Substanzen wie Folsäure, Kalium und Vitamin B12 sind in einer gesunden Mischkost meist ohnehin ausreichend erhalten.
    • Untergewicht vermeiden. Untergewicht ist ein Risikofaktor für die Osteoporose. Außerdem ist eine Gewichtsabnahme im Alter oft mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden. Der ideale Body Mass Index liegt zwischen 20 und 25.
    • Raus an die frische Luft! Sonnenlicht fördert die Bildung von Vitamin D, das im Körper zu Calcitriol umgebaut wird. Calcitriol ist wiederum notwendig, damit Kalzium über den Darm aufgenommen und in den Knochen eingebaut wird. Liegt ein Vitamin-D-Mangel vor, ist nach ärztlichem Rat die Einnahme von Vitamin-D-Tabletten zu erwägen.
    • Rauchen und Alkohol vermeiden. Rauchen verengt die Blutgefäße und verschlechtert dadurch die Versorgung der Knochen mit Nährstoffen. In der Folge ist der Knochenaufbau gestört und es entwickelt sich leichter eine Osteoporose. Auch übermäßiger Alkoholkonsum reduziert die Knochendichte: Alkohol hemmt die knochenaufbauenden Zellen und hat negative Wirkungen auf den Vitamin-D-Stoffwechsel.

    Hinweis: Kalzium ist essenziell für die Knochen. Zuviel Kalzium ist aber auch nicht gesund. Bei einer täglichen Zufuhr über 1500 mg wird das Mineral über die Niere wieder ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion gestört, lagert sich das im Organismus angesammelte Kalzium in Gefäßen und Geweben ab und trägt zur Verkalkung bei.

    Quellen: DAZ 2021, Nr. 35, S. 4, RKI


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Eisenmangel erkennen und beheben

Eisenmangel erkennen und beheben

Frauen besonders gefährdet
Ständig erschöpft und müde? Dahinter steckt womöglich ein Eisenmangel. Vor allem bei Frauen ist der alles andere als selten – jede Zweite soll unterversorgt sein. Doch zum Glück lässt sich der Mangel mit Eisenpräparaten und der richtigen Ernährung gut beheben. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie im aktuellen Ratgeber.
  • Ohne Eisen geht es nicht

    Eisen ist von zentraler Bedeutung für den menschlichen Organismus. Als Bestandteil des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bindet es den lebenswichtigen Sauerstoff, damit dieser von der Lunge zu den Organen transportiert werden kann. Doch Eisen ist auch unverzichtbar für die Neubildung von Geweben und für den programmierten Tod alter, überflüssiger Zellen. Eine ganz entscheidende Rolle spielt es zudem bei der Energiegewinnung in den Kraftwerken der Zelle, den Mitochondrien. Durch diese vielen Aufgaben erklären sich auch die für einen Eisenmangel typischen Beschwerden. Fehlt dem Organismus Eisen, kommt es zu

    • Blässe (je nach Farbe des Teints manchmal nur an den Bindehäuten im Auge erkennbar)
    • Müdigkeit, Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten
    • Mundwinkelrhagaden (raue, eingerissene Mundwinkel)
    • glatter Zunge, Zungenbrennen, Schluckbeschwerden
    • Haarausfall, brüchigen Fingernägeln.

    Hinweis: Fehlt Eisen, wird im zentralen Nervensystem zu wenig Dopamin gebildet. Eine Folge davon kann das Restless-legs-Syndrom sein. Wer darunter leidet, sollte deshalb unbedingt die Eisenspiegel prüfen lassen.

    Viele Gründe für den Eisenmangel

    Ein Erwachsener hat etwa 35 bis 40 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht in sich. Davon gehen täglich etwa 1 mg durch Abschilferungen von der Darmschleimhaut, minimale Blutungen oder Schweißbildung verloren. Diese müssen über die Nahrung wieder ersetzt werden. Im Normalfall kann der Organismus aber nur etwa 10 % des in der Nahrung enthaltenden Eisens aufnehmen. Um 1 mg zu ersetzen, müssen also täglich 10 mg Eisen zugeführt werden.

    Stimmt die Balance zwischen Eisenverlust und Eisenaufnahme nicht, kommt es zu einem Eisenmangel. Gründe dafür gibt es viele.

    • Vermehrter Eisenverlust. Wichtigste Ursache ist hier die Menstruation, vor allem, wenn die Blutung besonders stark ist. Doch schon bei einer normalen Monatsblutung gehen etwa 40 bis 50 ml Blut verloren, was ungefähr 25 mg Eisen entspricht. Expert*innen gehen davon aus, dass fast die Hälfte aller gebärfähigen Frauen deswegen mit Eisen unterversorgt ist. Neben den physiologischen Blutverlusten durch die Menstruation können aber auch andere Blutverluste zu einem Eisenmangel führen. Dazu gehören beispielsweise chronische innere Blutungen bei Tumoren oder Magengeschwüren oder eine zu häufige Blutspende.
    • Mangel- oder Fehlernährung. Hier schlagen vor allem Diäten zu Buche. Vegetarier leiden oft unter einem Eisenmangel, weil das Eisen aus pflanzlichen Rohstoffen vom Darm schlechter aufgenommen wird als aus tierischen Lebensmitteln. Auch Magersüchtigen mangelt es aufgrund der insgesamt reduzierten Nahrungsaufnahme meist an Eisen.
    • Vermehrter Verbrauch. In Phasen des Wachstums braucht der Körper mehr Eisen. Hierzu zählen Kleinkinder und Heranwachsende. Bei Kindern wird die Häufigkeit des Eisenmangels auf 10 – 15% geschätzt. Besonders kritisch wird es für noch im Wachstum befindliche, pubertierende Mädchen. Bei ihnen kommt der vermehrte Bedarf mit dem über die Monatsblutung einsetzenden Verlust an Eisen zusammen. Auch Schwangere und Stillende benötigen mehr Eisen (siehe „Richtig ernähren“).

    Seltenere Ursachen für den Eisenmangel sind chronisch-entzündliche Prozesse wie die rheumatoide Arthritis oder die Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Zudem können einige Medikamente die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes beschädigen und auf diese Weise zu inneren Blutungen führen. Typische Beispiele sind NSAR wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) oder Cox-2-Hemmer.

    Hinweis: Vorsicht Langläuferinnen! Extrem langes Laufen begünstigt Mikroblutungen im Darm und in der Harnblase. Außerdem werden massenweise rote Blutkörperchen in der Fußsohle zerquetscht. Es drohen damit Blut- und Eisenverluste, die bei kalorienreduzierter Diät und Fleischabstinenz häufig nicht ausreichend kompensiert werden.

    Wie wird der Eisenmangel diagnostiziert?

    Bei den oben genannten typischen Eisenmangel-Beschwerden ist eine Blutuntersuchung angezeigt. Die wichtigsten Werte sind das Serum-Ferritin, das Transferrin und der Hämoglobinwert. Mit ihnen lässt sich bestimmen, ob mit dem Eisenhaushalt alles in Ordnung ist, ob ein Mangel besteht und wenn, wie stark dieser ist.

    • Serum-Ferritin spiegelt das im Körper gespeicherte Eisen wider. Ist es erniedrigt, aber die anderen Werte noch normal, liegt ein prälatenter Eisenmangel vor (Eisenmangel Stadium I). Für die Bildung der roten Blutkörperchen reicht das Eisen noch aus, körperliche Beschwerden zeigen sich meist keine.
    • Im Blut ist das Eisen, das nicht im Hämoglobin benötigt wird, an Transferrin gebunden. Die Sättigung dieses Transportmoleküls ist das Maß für das zur Verfügung stehende Funktionseisen. Fällt der Wert unter 15%, spricht man von einem latenten oder funktionellen Eisenmangel (Stadium II). Es kann zu ersten Eisenmangelbeschwerden mit brüchigen Fingernägeln, Haarausfall oder Rhagaden kommen.
    • Eine manifeste Eisenmangelanämie liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration unter den Normwert sinkt (Stadium III des Eisenmangels). In diesem Fall reicht das Eisen nicht mehr, um ausreichend Hämoglobin zu bilden. Jetzt macht sich der Eisenmangel auch durch Blässe, Antriebslosigkeit, vermehrte Müdigkeit und Konzentrationsstörungen bemerkbar.

    Hinweis: Die Hämoglobinwerte sind alters- und geschlechtsspezifisch. Eine manifeste Eisenmangelanämie liegt vor, wenn die Hämoglobinkonzentration unter folgenden Grenzwerten liegt: Kinder bis 4 Jahre < 11 g/dl, Kinder 5 bis 11 Jahre < 11,5 g/dl, Frauen < 12 g/dl, Männer < 13 g/dl.

    Behandlung des Eisenmangels

    Häufig ist eine Fehl- oder Mangelernährung als Ursache für den Eisenmangel plausibel. Dann muss die Betroffene mehr Eisen aufnehmen. Basis ist die ausreichende Eisenaufnahme über die Nahrung. Ob zusätzlich Eisenpräparate erforderlich sind entscheidet die Ärzt*in.

    Basis: die richtige Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung deckt den Eisenbedarf im Normalfall gut ab. Erwachsene Männer und Frauen nach der Menopause sollen etwa 10 mg Eisen am Tag zu sich nehmen, Schwangere 30 mg und Stillende 20 mg. Für Mädchen ab 10 Jahren und Frauen bis zur Menopause gelten 15 mg/Tag als ausreichend. Jungen von 12 bis 19 Jahren brauchen 12 mg Eisen am Tag. Besonders gut verwertet der Körper Eisen aus Fleisch. Wer auf Fleisch verzichtet, kann seinen Bedarf jedoch auch mit Haferflocken, Hirse, Sesam, Roter Beete, Hülsenfrüchten wie Erbsen oder Kohlgemüse und Sauerkraut decken. Weniger ergiebig sind dagegen andere Gemüsesorten, Milchprodukte und Eier.

    Wenn Eisen substituiert werden muss

    Nicht immer reicht die Umstellung der Ernährung zur Behebung eines Eisenmangels aus. Dann verordnet die Ärzt*in Eisenpräparate mit zweiwertigem Eisen (Fe2+). Empfohlen werden dabei vor allem Eisen(II)-sulfate oder -fumarate. Sie sind in Form von Tabletten, Dragees oder flüssig einzunehmen. Damit es nicht zu einer Eisenüberladung des Organismus kommt, darf die Eisensubstitution nicht in Eigenregie erfolgen. Stattdessen berechnet die Ärzt*in, wieviel Eisen nötig ist. In der Regel geht man von 2 bis 6 mg Eisen pro Kilogramm Körpergewicht aus (100 bis 200 mg täglich).

    Leider verursachen Eisenpräparate zum Einnehmen oft Magenprobleme. Vor allem Übelkeit und Durchfall oder Verstopfung verleiten viele dazu, dass Präparat wieder abzusetzen. Durch Einnahme mit Nahrung werden die Beschwerden verringert. Der Preis dafür ist jedoch, dass der Darm das Eisen schlechter aufnimmt. Ein Kompromiss ist daher die Einnahme zwischen den Mahlzeiten.

    Allgemein ist bei der Einnahme von Eisenpräparaten folgendes zu beachten:

    • Einnahme vorzugsweise nüchtern, d.h. mindestens eine halbe bis eine Stunde vor oder nach dem Essen.
    • Treten nach einer Woche Eiseneinnahme immer noch Übelkeit und Magenbeschwerden auf, darf die Einnahme zu den Mahlzeiten erfolgen. Auf keinen Fall gleichzeitig konsumiert werden sollten aber Kaffee, Tee, Milch, Oxalate, Phytate (in Getreide, Hülsenfrüchten) und Antazida, weil diese die Aufnahme von Eisen sogar behindern.
    • Eine weitere Option bei anhaltender Übelkeit ist die, das Präparat (mach ärztlichem Rat) zu wechseln.
    • Um die Aufnahme von Eisen im Darm zu erhöhen, kann zeitnah Vitamin C eingenommen werden.
    • Werden die empfohlenen Eisen(II)-Präparate nicht vertragen, kann die Substitution mit Eisen(III)-hydroxid-Polymaltose versucht werden.
    • Bei regelmäßiger, täglicher Eiseneinnahme steigt die Bildung von Hepcidin, einem Protein, dass die Aufnahme von Eisen aus dem Darm blockiert. Um dies zu verhindern ist es günstig, bei leichtem oder mäßigem Eisenmangel die Eisenpräparate nur alle zwei Tage einzunehmen. Dies darf allerdings nur nach ärztlichem Rat erfolgen.

    Tipp: Wer die Eisenpräparate zum Einnehmen gar nicht verträgt, kann sich das Eisen infundieren lassen. Allerdings übernehmen die Krankenkassen dann nur in manchen Fällen die Kosten, z. B. wenn bereits eine Anämie vorliegt. Zudem ist die Gefahr einer Überdosierung bei der intravenösen Gabe höher.

    Hinweis: Das Beheben einer Eisenmangelanämie erfordert Geduld. Zwar steigt das Hämoglobin bei Eisenzufuhr schnell an. Bis Normwerte erreicht sind, dauert es manchmal jedoch einige Wochen. Ist der Hämoglobinwert wieder in Ordnung, sollte die Eiseneinnahme noch ein bis drei weitere Monate lang fortgesetzt werden.

    Monatsblutung eindämmen

    Bei Frauen ist häufig eine verstärkte oder verlängerte Monatsblutung am Eisenmangel beteiligt. Zur Behandlung der sogenannten Menorrhagie empfehlen Expert*innen häufig die Pille, und zwar in kombinierter Form (Östrogen und Gestagen). Bei drei Viertel der Betroffenen bessern sich dadurch die verstärkten Monatsblutungen und damit der Eisenverlust. Zu bedenken sind bei der Einnahme eines Hormonpräparats natürlich immer die möglichen Nebenwirkungen (Lidbidoverlust, Thromboserisiko). Ob zusätzlich eine Eisensubstitution erforderlich ist entscheidet die Ärzt*in anhand der Eisenwerte im Blut.

    Tipp: Frauen mit Kinderwunsch sollten frühzeitig ihre Eisenwerte überprüfen lassen. Sind die Eisenspeicher vermindert, macht es Sinn, sie schon vor der Empfängnis wieder aufzufüllen.

    Wenn die Eisensubstitution nicht reicht

    Bei einer Eisenmangelanämie kontrolliert die Ärzt*in meist eine Woche nach Beginn der Eisentherapie die Blutwerte. Steigen Hämoglobinwert und die Anzahl der Vorstufen der Blutkörperchen (Retikulozyten) im Blut nicht an, muss die Diagnostik erweitert werden. Das gilt natürlich auch für die Fälle, bei denen von vorneherein Hinweise auf eine Grunderkrankung bestehen.

    Bei Frauen empfiehlt sich dazu eine gynäkologische Untersuchung. Dabei lassen sich z. B. die vor den Wechseljahren häufig auftretenden gutartigen Geschwulste der Gebärmutter feststellen. Als weitere wichtige Quelle für einen Eisenmangel muss der Magen-Darm-Trakt untersucht werden, um eventuelle blutende Magengeschwüre, Tumoren oder chronisch-entzündliche Darmerkrankungen nicht zu übersehen. Die dafür eingesetzten Verfahren reichen vom Stuhltest auf verstecktes Blut bis zur Magen- oder Darmspiegelung.

    Quellen: Leitlinie Eisenmangelanämie, DAZ 2021, Nr. 31, S. 32


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Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

Gel und Pflaster gegen Rückenschmerz

Schmieren statt schlucken
Rückenschmerzen sind eine echte Volkskrankheit: Über 60 Prozent der Deutschen haben im Alltag damit zu kämpfen. Wer keine Tabletten einnehmen möchte, bekommt die Beschwerden oft mit Schmerzgelen und Wärmepflastern in den Griff. Lesen Sie, wie man diese anwendet und was man sonst noch gegen Rückenschmerzen tun kann.
  • Zivilisation nagt am Rücken

    Die moderne Lebensweise tut dem Rücken nicht gut. Die meisten Menschen bewegen sich zu wenig, sitzen zuviel und leiden unter Stress. Übergewicht und Haltungsfehler kommen dazu, manchmal auch falsches Heben oder Tragen. Aber auch Überlastungen durch ungewohnte Kraftanstrengungen können zu Rückenschmerzen führen – z. B., wenn man die Wohnung neu tapeziert oder den gesamten Holzvorrat für ein Jahr hackt.

    In den allermeisten Fällen handelt es sich dann um die sogenannten „unspezifischen Rückenschmerzen“. Das bedeutet, dass sich nicht genau sagen lässt, welche Struktur hinter den Beschwerden steckt. Seltener sind spezifische Rückenschmerzen. Sie entstehen durch eindeutig diagnostizierbare Ursachen wie Knochenbrüche nach Stürzen, Bandscheibenvorfälle, Tumoren, rheumatische Erkrankungen oder Osteoporose.

    Auch Erkrankungen der inneren Organe können sich durch Schmerzen im Rücken bemerkbar machen. Dies ist besonders oft bei Eierstock- oder Nierenentzündungen der Fall.

    Hinweis: Treten zusätzlich zum Rückenschmerz Lähmungen, Probleme beim Wasserlassen oder Taubheitsgefühle auf, ist unbedingt eine Arztpraxis aufzusuchen. Das Gleiche gilt, wenn Fieber oder Gewichtsverlust dazukommen oder die Beschwerden nach drei bis fünf Tagen nicht nachgelassen haben.

    Was hilft im akuten Fall?

    Früher wurde bei akutem unspezifischem Rückenschmerz Schonung und Bettruhe empfohlen. Heute hingegen raten Ärzt*innen zu sanften Bewegungen, um den Rücken wieder fit zu bekommen. Dazu gehören beispielsweise Spazierengehen oder auch Tai-Chi. Manchmal ist das allerdings nur möglich, wenn der akute Schmerz parallel therapiert wird. Hier kommen Wärme und rezeptfreie Schmerzmittel ins Spiel.

    Schmerzhafte Muskelverspannungen lassen sich gut durch Wärme lockern. In Frage kommen viele unterschiedlichen Wärmequellen. Wer möchte, kann ein elektrisches Wärmekissen, eine Heizdecke oder ein aufgewärmtes Körnerkissen verwenden. Auch Wärmebäder eignen sich gut. Besonders praktisch sind jedoch Wärmepflaster oder -salben aus der Apotheke. Sie haben den Vorteil, dass man sie auch während der alltäglichen Verrichtungen tragen kann – und somit mobil bleibt. Ihre Wirkstoffe fördern die Durchblutung, teilweise unterdrücken sie auch die Schmerzimpulse. Bei der Anwendung ist auf Folgendes zu achten:

    • Pflaster dürfen nur auf trockene, intakte Haut geklebt werden.
    • Nach Berühren des Pflasters unbedingt die Hände gut waschen, damit der Wirkstoff nicht in die Augen oder an die Schleimhäute gerät. Das gilt auch bei Cremes oder Balsam.
    • Keine anderen Cremes oder Gele auf die gleiche Hautstelle schmieren, damit die Aufnahme der Wirkstoffe nicht behindert wird.
    • Keine zusätzliche Wärme (zum Beispiel Heizkissen) anwenden, weil sonst die Durchblutung zu stark angeregt wird.

    Ein beliebter schmerzlindernder Wirkstoff ist Capsaicin aus dem Cayennepfeffer. Capsaicin nützt doppelt: Zum einen fördert es die Durchblutung, zum anderen übererregt es die Schmerzrezeptoren. Das macht die Schmerzzellen im Rückenmark vorübergehend unempfindlich, was die Weiterleitung von Schmerzimpulsen an das Gehirn unterdrückt. Capsaicincreme darf dreimal täglich aufgetragen werden und das Pflaster bis zu zwölf Stunden auf der Haut verbleiben. Mögliche Nebenwirkungen sind Quaddeln, Juckreiz oder Bläschen.

    Hautverträglicher als Capsaicin sind Umschläge mit Wärmezellen, die Eisenpulver enthalten. Die wohltuende Wärme entsteht dadurch, dass das Eisenpulver mit Luftsauerstoff oxidiert. Deshalb darf die luftdichte Verpackung auch erst unmittelbar vor dem Aufkleben geöffnet werden.

    Manchen Patient*innen hilft bei Schmerzen auch Beinwellwurzel-Fluidextrakt. Er enthält Allantoin, Schleimpolysaccharide und Gerbstoffe und ist für die Behandlung von Muskelschmerzen zugelassen. Auch ätherische Öle sollen gegen Rückenschmerzen helfen. Expert*innen zufolge ist ein eventueller Effekt jedoch eher auf die einreibende Massage als auf die Inhaltsstoffe zurückzuführen.

    Hinweis: Vorsicht bei der Verwendung von Heizdecken und Heizkissen. Um die Brandgefahr zu mindern, sollten diese immer eine Abschaltautomatik besitzen.

    Schmerzmittel zum Schmieren

    Schmerzmittel gibt es nicht nur als Tabletten zum Schlucken, sondern auch als Gele oder Cremes zum Auftragen auf die Haut. Inhaltsstoffe dieser lokalen Schmerzmittel sind nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), d.h. Wirkstoffe, die schmerzlindernd und antientzündlich wirken. Ob sich Rückenschmerzen damit „wegschmieren“ lassen, wird kontroverser diskutiert. Denn in bisher durchgeführten, standardisierten Studien konnte die Wirkung von Schmerzgelen oder -cremes noch nicht belegt werden.

    Dennoch berichten viele Rückenschmerzpatient*innen von positiven Erfahrungen mit Schmerzgelen, -cremes oder pflastern. Wer seine unspezifischen Rückenschmerzen also mit lokalen NSAR angehen möchte, sollte die Präparate drei- bis viermal täglich auftragen, Forte-Wirkstoffe aufgrund höherer Dosierung nur zweimal am Tag. Im Zweifel fragt man am besten seine Apotheker*in.

    Wie gut die Wirkstoffe die Hautbarriere überwinden und dort ankommen, wo sie wirken sollen, hängt von der Art der Zubereitung ab. Manchen Präparaten sind Penetrationsförderer beigemischt, die die Aufnahme beschleunigen. Am schnellsten wirken Emulsions- und Mikrogele. Bei Ersteren sind die Wirkstoffe in Öltropfen angereichert, bei Mikrogelen in Mizellen eingeschlossen. Beides beschleunigt den Transport des NSAR durch die Haut und dadurch die Schmerzlinderung.

    Hinweis: Bei den Schmerzgelen gelten die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bei den Wärmepflastern. Sie dürfen nur auf intakte Haut geschmiert werden und nach dem Auftragen sollte man die Hände waschen, damit kein Wirkstoff in die Augen gerät.

    Bewegung gegen chronische Rückenschmerzen

    An ihre Grenzen kommen Pflaster und Cremes bei Fällen von chronischen Rückenschmerzen. Dann werden sie zwar begleitend eingesetzt – ohne Verhaltensveränderung ist ein längerfristiger Behandlungserfolg aber unwahrscheinlich. Die wichtigste Maßnahme ist Bewegung. Gut geeignet dafür sind Sportarten wie

    • Schwimmen
    • Pilates
    • Funktionstraining
    • Nordic Walking
    • Yoga und Tai-Chi.

    Hilfreich ist es auch, Entspannungstechniken zu erlernen. Manche Betroffenen profitieren von der Akupunktur. Abgeraten wird dagegen von Stromtherapien (TENS, Interferenztherapie), Magnetfeldtherapie, Lasern oder Kinesio-Taping – sie alle bringen beim chronischen Rückenschmerz keine Linderung.

    Hinweis: Lassen Sie sich bei jeder Sportart von einem Trainer anleiten, damit Sie die Bewegungen rückenschonend und -stärkend ausführen. Gehen Sie beim Trainieren nicht über Ihre Grenzen.

    Vorbeugen ist besser als heilen

    Wer beruflich im Alltag viel stehen, heben oder tragen muss, profitiert von einer Rückenschule. Dort lernt man, wie man im Alltag eine rückenfreundliche Haltung einnimmt. Diese Tipps helfen dabei:

    • Möglichst immer hüftbreit stehen und das Körpergewicht auf beide Füße gleichmäßig verteilen.
    • Immer wieder umhergehen und nicht zu lange in einer Position verharren.
    • Dynamisch sitzen, d.h. die Sitzposition immer wieder verändern.
    • Bei überwiegend sitzender Tätigkeit jede Stunde aufstehen (daran kann man sich z. B. von seiner Smartwatch erinnern lassen!), umhergehen, kleine Körperübungen machen.
    • Zum Aufheben schwerer Gegenstände mit geradem Rücken in die Hocke gehen und die Beine leicht nach außen spreizen.
    • Immer beide Hände zum Tragen schwerer Lasten benutzen, den Rücken aufrecht und den Gegenstand nah am Körper halten.

    Quelle: Leitlinie Kreuzschmerz; Ines Winterhagen, DAZ 2021; Nr. 28, S. 46


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So bleibt kein Auge trocken

So bleibt kein Auge trocken

Von Augentropfen bis Lid-Op
Sie jucken, brennen und schmerzen – trockene Augen haben es wirklich in sich. Hinzu kommt: Werden trockene Augen nicht behandelt, drohen Entzündungen, Gewebeschäden und Sehstörungen. Anfeuchten und vor Schäden schützen ist deshalb die Devise. Wie das funktioniert, erfahren Sie in unserem aktuellen Ratgeber.
  • Verminderte Tränenproduktion oder vermehrte Verdunstung

    Trockene Augen sind eine Volkskrankheit: Fast jeder Fünfte hat Probleme damit, betroffen sind vor allem Frauen und ältere Menschen. Die Beschwerden reichen von einem Trockenheitsgefühl über Juckreiz und Brennen bis hin zu Schmerzen. Viele Patient*innen empfinden helles Licht als unangenehm oder haben das Gefühl, es sitze Sand oder ein Fremdkörper im Auge. Zu Beginn der Erkrankungen tränen die Augen paradoxerweise oft. Das liegt daran, dass das Auge auf den ständigen Reiz zunächst mit einer vermehrten Flüssigkeitsbildung reagiert. Langfristig kann das Auge den chronischen Reiz aber nicht kompensieren. Es entzündet sich und Hornhaut und Bindehaut nehmen Schaden, was wiederum den Tränenfilm weiter reduziert. Es entsteht ein Teufelskreis, der schließlich in Sehstörungen münden kann.

    Gründe für trockene Augen gibt es viele. Ärzt*innen unterteilen diese in drei Gruppen:

    • Tockene Augen wegen vermehrter Verdunstung des Tränenfilms (=hyperevaporative Form, sie liegt bei etwa 80% der Patient*innen vor). Die Tränenflüssigkeit besteht aus zwei Anteilen: Den wässrigen und den fetthaltigen. Bei der hyperevaporativen Form sind die fetthaltigen Anteile vermindert. Ursache ist meist eine Dysfunktion der Meibomdrüsen. Diese kleinen Drüsen liegen im Lidrand und geben eine ölige Flüssigkeit ab, die dafür sorgt, dass der wässrige Anteil des Tränenfilms nicht zu schnell verdunstet. Ist ihre Funktion gestört, verhärtet ihr Sekret in den Drüsenausgängen, statt in den Tränenfilm zu gelangen und dort für eine geringere Verdunstung zu sorgen.
    • Trockene Augen wegen verminderter oder ausbleibender Tränensekretion (=hyposekretorische Form). Hier wird zu wenig vom wässrigen Anteil der Tränen produziert.
    • Mischformen, bei denen die Tränenproduktion vermindert und die Verdunstung verstärkt ist.

    Risikofaktoren und Grunderkrankungen

    Nicht immer lässt sich die Entstehung eines trockenen Auges verhindern. Ein nicht beeinflussbarer Risikofaktor für trockene Augen ist zum Beispiel das Alter. Denn mit voranschreitenden Jahren lässt bei den meisten Menschen die Funktion der Meibomdrüsen nach. Auch auf Hormonveränderungen in und nach den Wechseljahren und in der Schwangerschaft kann nur wenig Einfluss genommen werden. Anders sieht es bei Umweltfaktoren wie trockener Heizungsluft, Zigarettenrauch oder hohen Ozonwerten aus. Auch Kontaktlinsen können zu trockenen Augen führen, vor allem, wenn sie zu lange getragen oder nicht richtig gepflegt werden.

    Hinweis: PC-Arbeit oder langes Fernsehen gehen ebenfalls aufs Auge. Da man durch das konzentrierte Auf-den-Bildschirm-Starren seltener blinzelt, wird die Tränenflüssigkeit schlechter auf der Augenoberfläche verteilt und das Auge trocknet aus.

    Daneben gibt es viele körperliche Erkrankungen, die als Begleiterscheinung die Augen unangenehm austrocknen. Dazu gehören neben Augenerkrankungen in erster Linie Hormonstörungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder der Diabetes mellitus. Typisch sind trockene Augen auch bei vielen rheumatischen und autoimmunen Erkrankungen, wie beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis oder beim Sjögren-Syndrom. Hauterkrankungen beziehen ebenso oft die Augen mit ein. So können die Akne, die Neurodermitis und Schuppenflechte das Augenbefinden empfindlich stören. Nicht zuletzt sind manchmal auch Infektionen wie Hepatitis, AIDS, Tuberkulose oder die Syphilis an trockenen Augen Schuld.

    Basistherapie für alle trockenen Augen

    Die Behandlung von trockenen Augen ist oft langwierig. Oft gibt es nicht „die eine“ Ursache, sondern es wirken mehrere Faktoren zusammen. In diesem Fall müssen die Betroffenen herausfinden, welcher Maßnahmen-Mix sich in ihrem speziellen Fall bewährt. Zunächst sollten es Betroffene immer mit der sogenannten Basistherapie versuchen. Diese umfasst Allgemeinmaßnahmen, Lidrandpflege und Tränenersatzmittel. Die Allgemeinmaßnahmen beinhalten folgende Punkte:

    • Augen-Klima verbessern. Ist die Luftfeuchtigkeit gering, trocknet auch das Auge verstärkt aus. Um die Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen zu erhöhen, sollte man nicht zu stark zu heizen und regelmäßg lüften. Aber Achtung: Zugluft sollte dabei unbedingt vermieden werden, z. B., indem man vor dem Schlafen lüftet statt sich nachts unter das offene Fenster zu legen. Wer gar nicht ohne Frischluft schlafen möchte, kann die Augen mit einer Schlafmaske schützen. Reicht das nicht aus, können Luftbefeuchter zum Einsatz kommen. Klimaanlagen sollten, wenn möglich, gemieden werden.

    • Bildschirmpausen einlegen. Damit die Arbeit am PC nicht zu trockenen Augen führt, sollten regelmäßig Bildschirmpausen eingelegt werden, bei denen der Blick am besten aus dem Fenster in die Ferne schweift. Immer wieder bewusst zu blinzeln hilft zudem, den Tränenfilm besser zu verteilen.
    • Reize vom Auge fernhalten. Trockene Augen befinden sich in einem dauernden Reizzustand – deswegen sollte man zusätzlich äußere Reize unbedingt minimieren. Dazu zählen chemische Reize wie Feinstaub, aber auch Tabakrauch. Eine Brille mit Seitenschutz hilft, Reize wie z. B. Wind vom Auge fernzuhalten.
    • Kontaktlinsen richtig verwenden. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte seinen Augen öfter eine Pause gönnen. Wichtig ist die gründliche Reinigung und Pflege der Linsen, oft werden auch Tageslinsen empfohlen. Hilfreich sind spezielle Kontaktlinsen aus modernen Materialien wie z. B. Silikon-Hydrogel, die weniger trocken werden In sehr schweren Fällen muss meist sowieso auf das Tragen von Kontaktlinsen verzichtet werden.
    • Von innen befeuchten. Damit der Körper nicht austrocknet heißt die Devise „viel Trinken“. Günstig ist es, reichlich Omega-3-Fettsäuren zu sich zu nehmen. Studien zufolge sind sie antientzündlich wirksam und verbessern den Tränenfilm.

    Fehlende Tränen von außen ersetzen

    Unverzichtbares Standbein der Basistherapie sind Tränenersatzmittel. Sie lindern das Trockenheitsgefühl und schützen die Augenoberfläche, indem sie die Scherkräfte beim Blinzeln reduzieren. Je nach Schweregrad empfiehlt die Ärzt*in Tropfen, Gele oder Salben. Wirksame Inhaltsstoffe sind Polyvinylalkohol, Polyvinylpyrrolidon, Zellulosederivate, Hyaluronsäure, Carbomere, Muzinanaloga oder Elektrolyte.

    Ist durch die Meibomdrüsendysfunktion der Lipidanteil des Tränenfilms gestört (hyperevaporative Form) sind lipidhaltige Tränenersatzmittel hilfreich. Darin werden oft Triglyceride, Paraffinöl und Phospholipide kombiniert. Neben Tropfen gibt es auch lipidhaltige Augensprays, die auf das geschlossene Augenlid gesprüht werden.

    Ob wässrig oder lipidreich – es gibt eine fast unüberblickbare Auswahl an Augentropfen, die sich in der Zusammensetzung ihrer Wirkstoffe unterscheiden. Manchmal muss man verschiedene Präparate ausprobieren, um die Augentropfen oder -salbe zu finden, die persönlich am besten hilft. Außerdem unterscheiden sich die Augentropfen in ihrer Applikationsform, d.h., in der Art des Tropfmechanismus. Auch hier gilt es auszuprobieren, mit welchem „Tropfer“ man am besten zurechtkommt. Im Zweifel gibt es dazu Rat in der Apotheke. Für alle Tränenersatzmittel gilt: sie müssen immer ausreichend oft nach ärztlichem Rat bzw. jeweiliger Packungsbeilage dosiert werden. Nur so entfalten sie neben ihrer lindernden auch ihre schützende Wirkung für die gereizte Augenoberfläche.

    Hinweis: Patient*innen, die mehrmals täglich Augentropfen verwenden oder Allergien haben, sollten unbedingt konservierungsmittelfreie Präparate benutzen.

    Lidrandpflege – so geht´s:

    Dritter wichtiger Bestandteil der Basistherapie ist die Lidrandpflege. Sie bessert die Funktion der Meibomdrüsen und läuft folgendermaßen ab:

    • Auge wärmen. Dazu legt man für etwa zehn Minuten einen warmen Waschlappen auf den Augenbereich, hilfreich sind auch speziell dafür konzipierte Augenmasken oder Gelbrillen. Die Wärme weicht verhärtete Sekrete der Drüsen auf.
    • Lidrandmassage. Nachdem die Sekrete aufgeweicht sind, müssen sie aus den verstopften Drüsengängen entfernt werden. Dazu streicht man mit einem feuchten Wattestäbchen die Lidranddrüsen vorsichtig in Richtung Auge aus.
    • Lidränder reinigen. Am Schluss sind die Sekrete von den Lidrändern zu entfernen. Dazu benutzt man entweder mit spezieller Reinigungslotion angefeuchtete Wattepads oder gebrauchsfertige Reinigungstücher aus der Apotheke.

    Wenn künstliche Tränen und Lidrandpflege nicht ausreichen

    Nicht immer reichen allgemeine Maßnahmen, Lidrandpflege und Tränenersatz zur Linderung der Trockenheitsbeschwerden aus. Dann kann die Augenärzt*in die Tränenpünktchen vorübergehend mit kleinen Stopfen (sogenannten Plugs) verschließen. Auf diese Weise fließen die Tränen weniger gut ab und verbleiben länger auf dem Auge.

    Hat sich das trockene Auge zusätzlich entzündet, kommen spezielle lokale Medikamente ins Spiel. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Ist ein Antibiotikum erforderlich, werden oft Azithromycin-Tropfen verordnet. Ciclosporin A-Augentropfen hemmen die Produktion von Entzündungsvermittlern und erhöhen die Tränenproduktion. Die beiden Calcineurininhibitoren Tacrolimus und Pimecrolimus wirken ebenfalls entzündungshemmend, sie werden als Salben auf die Augenlider gestrichen, Tacrolimus gibt es zudem auch als Augentropfen. Liegt gleichzeitig eine Rosazea der Gesichtshaut vor, helfen oral eingenommene Tetracycline, die Entzündung einzudämmen und den Tränenfilm zu normalisieren.

    Schwere Geschütze für schwere Fälle

    Bei besonders schwerer Form des trockenen Auges ist die Therapie mit autologen Serumaugentropfen möglich. Diese werden aus dem eigenen Blut der Patient*in gewonnen und mit Kochsalzlösung verdünnt. Sie sind fünfmal täglich bis stündlich in das Auge einzuträufeln und wirken sowohl als Tränenersatz als auch antientzündlich.

    Auch spezielle Kontaktlinsen können bei schweren Formen helfen. Sie schützen die Hornhautoberfläche nicht nur gegen Einflüsse von außen. Bevor man sie einsetzt, wird die Innenseite mit Kochsalzlösung oder künstlichen Tränen gefüllt. Dadurch kann die trockene Hornhaut regelrecht in Flüssigkeit baden.

    Eine weitere Option für schwere Fälle sind augenärztliche Interventionen. So lässt sich beispielsweise das Tränenpünktchen durch Verödung oder das Einpflanzen permanenter Plugs auf Dauer verschließen. Stark vernarbte Meibomdrüsen kann die Augenärzt*in durch Sondierung freilegen, um den Fluss des Sekrets wiederherzustellen. Selten werden noch schärfere Geschütze notwendig. Beispiele dafür sind das Abdecken der Oberfläche durch Ammnionhaut oder die Verkleinerung der Lidspalte durch das Vernähen von Teilen des Ober- und Unterlides.

    DAZ 2021, Nr. 8, S. 44; Leitlinie Sicca


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